Das Ende des Zwischenhochs
Als “Zwischenhoch” wird ein Hochdruckgebiet zwischen zwei Tiefs bezeichnet, das für eine vorübergehende Wetterberuhigung sorgt. Soweit die Meteorologie.
Für den Club übersetzt bedeutet dies: Nach dem Tief “Ein-Sieg-aus-elf-Spielen” wurde das Zwischenhoch “Bayer-Hertha” umgehend von der Kaltfront “96” verdrängt. Die weiteren Aussichten: Unbeständig.
Winterschlaf in der ersten Hälfte
96 Tage war Hannover bis zum Heimspiel gegen den 1. FCN ohne Sieg geblieben, wie jemand nachgeschaut hatte. Und dann musste sich ausgerechnet der Club für das Ende der Durststrecke zur Verfügung stellen, indem man die erste Halbzeit, in der das entscheidende Tor fiel, komplett verschlief. Nun mag das ein oder andere Säugetier in dieser Jahreszeit in einen schlafähnlichen Zustand fallen. Dass jedoch ausgerechnet die Nürnberger Mannschaft, die in den letzten Wochen und Monaten beständig mit Weckrufen versorgt worden war, in der norddeutschen Tiefebene eine ungeplante Ruhepause einlegte, war völlig unerklärlich. Da halfen auch kein Erwachen in den zweiten 45 Minuten mehr.
Freundliche Franken
Mit der Rückkehr von Pinto und Schlaudraff hat Hannover von Anfang an den Biss, der den 96ern in der letzten Zeit fehlte. Besonders Pinto lässt an das “alte” Hannover aus der vorherigen Saison denken. Dem Club schmeckt das Pressing des Gegners überhaupt nicht - nur, was soll erst werden, wenn nächstes Wochenende der Meister aus Dortmund kommt? Stindl schlägt eine Ecke in den Strafraum, wo Abdellaoue, Hannovers Lebensversicherung in Sachen Tore, völlig frei vor Schäfer steht, doch der Ball geht über das Tor, Glück gehabt. Pinto zieht perfekt aus der Distanz ab, Schäfer pariert. Dann kommt die freundliche Ader der Franken wieder durch: Hlousek begleitet Stindl, der perfekt auf Abdellaoue flanken darf, der sich in der Zwischenzeit im Strafraum von Wollscheid und Maroh verabschiedet hat, die eine Weile mitgelaufen sind. Tschüss Punkte.
Zu wenig in der ersten Halbzeit
Falls sich Hlousek noch bei Tschechiens Nationaltrainer Michal Bilek für die EM empfehlen möchte, könnte er in den nächsten Wochen mit verändertem Zweikampfverhalten anfangen. Und Wollscheid und Maroh brauchen einen klärenden Hinweis, warum es “Innenverteidigung” und nicht “Innenbegleitung” heißt. Hannover bleibt spielbestimmend, ohne wirklich am Drücker zu sein. Schlaudraff versucht kurz vor Ende der ersten Halbzeit erfolglos, Schäfer aus spitzem Winkel zu tunneln. Die einzige zählbare Aktion des Club in den ersten 45 Minuten besteht aus einem harmlosen Schuss von Eigler in den Anfangsminuten, aus wenig aussichtsreicher Position. Von Esswein nichts zu sehen. “So geht’s nicht”, wird Schäfer nach dem Spiel sagen, “das war zuwenig.”
Hätte, wenn und aber
Pekhart kommt für Cohen, Hecking ändert das 4-4-2 der ersten Hälfte. Da zu einem Spiel gehört, auch schon mal das Tor des Gegners zu suchen, haben Esswein und Pekhart in der 53. und 55. jeder eine halbe Chance. Trotz der vielen Remis: Hannover ist in dieser Saison zuhause noch ungeschlagen, der Club schafft es nicht, die Hausherren in Bedrängnis zu bringen. Doch dann das: Wenige Minuten vor Schluss schlägt Hlousek einen Freistoß vor das Tor der 96er, Hegeler steht goldrichtig im Strafraum und trifft den Ball perfekt, doch leider steht Didavi im Weg, von dem der Schuss ins Aus prallt. Das wäre der sichere Ausgleich gewesen.
Schiri, die Nächste
Kein Befreiungsschlag in Hannover, stattdessen tritt der Club erneut auf der Stelle. Da hilft es nicht, dass Slomka anschließend gestand, der Dreier sei am Ende für Hannover etwas glücklich gewesen. Und, nicht ganz unbekannt, eine weitere Fußnote in schwarz. Eine Tätlichkeit des für rustikales Spiel bekannten Österreichers “Mad Dog” Pogatetz an Wollscheid blieb ungesühnt. Elfmeter und rote Karte wären angebracht gewesen. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison ist der Club Spielball von Schiedsrichterentscheidungen, weshalb Hecking am Anfang der Woche der Kragen geplatzt ist. Er habe “langsam die Schnauze voll”. Nachvollziehbar. Allerdings wird es für “ausgleichende Gerechtigkeit” in der Rückrunde langsam eng. Besser, die Spieler sorgen selbst für das nächste Hoch.















