Der Schwarze Peter fährt nach Köln
Es war ein Spiel, dessen Verlierer den Schwarzen Peter “Abstiegskampf” in die Hand gedrückt bekommen würde. Der ist dann zum Glück am Wochenende mit dem 1. FC Köln an den Rhein gefahren.
Nach dem Heimsieg gegen die Geißböcke haben die Franken mit den Kölnern in der Tabelle die Plätze getauscht. Mit Rang 12 kann der Club nach mageren Wochen und Monaten gut leben, auf der sicheren Seite ist man hingegen jedoch längst noch nicht.
Nasenstüber für Köln
Für Dieter Hecking war das Ergebnis eindeutig: “Die bessere Mannschaft hat heute gewonnen.” In der Tat, es war ein verdienter und über weite Strecken überzeugender Heimsieg. Für Köln hingegen war es die fünfte Niederlage aus den letzten sechs Spielen. Trainer Solbakken hoffte bei seinen Spielern auf Selbsterkenntnis und darauf, dass man nach dem fruchtlosen Ausflug ins Frankenland freiwillig auf allzu närrisches Treiben am Rosenmontag verzichten würde. Man sei jetzt im Abstiegskampf angekommen, so Torwart Michael Rensing ernüchtert nach dem Spiel. Und dann hat der Karneval nach Miso Breckos alkoholgeschwängerter Autofahrt unter der Woche noch ein weiteres Opfer gefordert: Kevin Pezzoni wurde mit blutiger Nase in einem Krankenhaus abgeliefert. Köln hat zur Zeit alles andere als einen Lauf.
Der perfekte Spieltag für den Club
“Wenn die Konkurrenten verlieren, war das unser Spieltag”, so war Hecking zu hören. Und in der Tat: Augsburg, Kaiserslautern, Berlin und Hamburg verlieren, Freiburg, Mainz und Hoffenheim trennen sich unentschieden. Nach drei torlosen Spielen schießt der Club endlich wieder Tore, für den vierten Heimsieg in dieser Saison. Auf der “Fieberkurve” im Saisonverlauf macht sich das gut, allein fährt man nächste Woche an die Weser, wo mit Werder Bremen eine Mannschaft wartet, die in dieser Saison zuhause sieben ihrer zehn Heimspiele gewonnen und nur gegen Dortmund verloren hat. Platz 12 wird möglicherweise also nur vorübergehend Freude bereiten.
Nürnberg mit der wichtigen Führung
Podolski fehlt ein weiteres Mal und sein Fehlen zeigt erneut, dass Köln ohne den Prinzen in dieser Verfassung nur die Hälfte Wert ist. In Nürnbergs Startelf stehen die späteren Torschützen Esswein und Pekhart, die beide zuletzt von Hecking kritisiert und auf die Bank gesetzt wurden. Neuzugang Hanno Balitsch ist endlich dabei und macht bis zu seiner Auswechslung in der 76. Minute ein mehr als ordentliches Spiel. Auf dem Platz ist beiden Mannschaften anzumerken, dass sie um ihre Tabellensituation wissen, Nürnberg ist das aktivere Team. Das erste Highlight setzt Esswein in der 28. Minute. Ecke Hlousek, der Ball wird aus dem Sechzehner geköpft, Chandlers Nachschuss wird geblockt und Timmy Simons sieht, wie Esswein vor dem Strafraum Anlauf für den Abpraller nimmt, lässt durch und Esswein hämmert den Ball kurz vor der Strafraumgrenze ins Tor. Rensing ohne Chance. Eine Führung zur rechten Zeit, damit man gar nicht erst anfängt, sich mit einem Unentschieden anzufreunden. Kurz vor der Pause noch eine halbe Chance für den Club nach einer scharfen Hereingabe von Esswein, doch Rensing fängt den Ball ab.
Pekhart legt nach
Köln kommt mit erkennbar guten Vorsätzen aus der Kabine,doch der Club macht weiter, wo man in Hälfte eins aufgehört hat. Und will, in letzter Zeit eher selten zu sehen, auch mit spielerischen Mitteln vor das Tor kommen. Hegler flankt auf Feulner, der erneut eine gutes Spiel macht und versucht, den Ball direkt zu nehmen, Rensing kann jedoch mit dem Fuß abwehren. Dann aus dem vielzitierten Nichts der Kölner Ausgleich. Der wohl einzige gradlinig vorgetragene Angriff der Kölner findet in der 66. Minute als dritte Station nach der Mittellinie Novakovic in der Mitte, der nur noch einzuschieben braucht. Doch Köln legt nicht nach und der Club steckt nicht auf, will drei Punkte. Didavis fein gezirkelter Kunstschuss trifft nur den Pfosten, Köln findet eigentlich kaum noch statt, Schäfer ist nur noch ein einziges Mal gefordert. Und dann, endlich, flankt Esswein in der 85. perfekt in den Lauf von Pekhart, dessen Kopfball ins rechte Eck trudelt. Perfekt.
Fast nur Gewinner
So gab es am Samstag Abend eine ganze Reihe von Gewinnern. Esswein und Pekhart hatten gezeigt, was geht, Feulner und Chandler offensiv variabel gespielt und mit Hanno Balitsch steht der Club hinten deutlich sicherer, weil die Innenverteidigung nicht mehr allein als Prellbock für gegnerische Angriffe herhalten muss. Schade nur, dass es Pechvogel Mike Frantz erneut erwischt hat, der voraussichtlich weitere drei Wochen ausfällt. Was den Club jedoch nicht davon abhalten sollte, in einer Woche Spielweise und Einstellung mit an die Weser zu nehmen. Der Schwarze Peter kann ruhig bei den anderen bleiben.




















