13.01.2012

Von Stuttgart bis Leverkusen - die zweite Hälfte der ersten Halbzeit

Am neunten Spieltag standen elf Punkte auf dem Konto des Club, am 17. Spieltag sind es 18, was zu Platz 15 reicht. Der Elan der ersten Hälfte ist verflogen, das Tabellenende in bedrohliche Nähe gerückt. Doch Verein und Trainer bleiben ruhig und besonnen. Was in den vergangenen Jahren nicht immer so war.

1. FCN - Stuttgart (2:2)

Wieder ist ein Elfer spielentscheidend, ein “Witz-Elfer”, wie die BILD schreibt. Nicht einmal die Stuttgarter Spieler reklamieren, was Schiedsrichter Wingenbach als elfmeterwürdig befindet. Am Montag nach dem Spiel bekennt er zerknirscht, er habe einen Fehler gemacht. Also wieder kein Dreier. Kuzmanovic schafft mit dem Elfmeter, wozu der VFB an diesem Tag aus eigener Kraft nicht in der Lage war, nämlich den Ausgleich zum 1:1. Gegen einen Club, dessen Personalsorgen von Woche zu Woche größer werden und der dennoch erneut in Führung geht. Und den Sieg nach einer Verkettung vermeidbarer Fehler herschenkt. Stuttgart war an diesem Tag schlagbar. Wieder ist das Zünglein an der Waage auf die andere Seite gekippt.

Bayern München - 1. FCN (4:0)

Bayern steht seit dem vierten Spieltag standesgemäß auf Platz eins und bis zur Herbstmeisterschaft bleibt das auch so. Abgesehen von dem Ausreißer am 14. Spieltag, an dem sich Dortmund kurzzeitig zurückmeldet. Vor dem Spiel gegen Nürnberg haben die Roten 26:3 Tore auf dem Konto, danach 30:3. Der Club kommt als Underdog mit einer nur theoretisch-statistischen Chance. Doch Bayern hat am Spieltag zuvor gegen Hannover verloren und Heynkes fordert von seinem Team unmissverständlich einen überzeugenden Sieg. Den er auch bekommt, da hilft auch Heckings kreatives Defensiv-Konzept nicht. Wenigstens ist die Liste der Verletzten nicht länger geworden.

1. FCN - Freiburg (1:2)

Zuhause will es einfach nicht klappen. Auch nicht gegen Freiburg. Timm Klose zeigt, was im englischen mit “wrong place, wrong time” gemeint ist und ist nach dem Spiel untröstlich. Sein “ich-will-das-Problem-spielerisch-lösen”-Kopfball wird zum Problem für den eigenen Torhüter, der Kopf und Kragen riskieren muss. Elfmeter. Cissé verwandelt, in der 93. Minute, danach ist Schluss. Der erste Gegentreffer ist ebenfalls zum Haare raufen, der Ball trudelt kurios über den herauseilenden Schäfer ins Nürnberger Tor. Zwischendrin wird ein reguläres Tor nicht gegeben, passives Abseits. Falsch: Die entscheidende Richtungsänderung des Balls kam von einem Freiburger, das Tor der Nürnberger war regelkonform. Jetzt wird es eine Serie von sieben sieglosen Spielen. Freiburg gibt die rote Laterne ab, Nürnberg rutscht auf den letzten Nichtabstiegsplatz.

Schalke - 1. FCN (4:0)

In diesen Wochen mehren sich die Stimmen im Club, dass man endlich “Abstiegskampf lernen” muss. Nach dem aussichtslosen Auswärtsspiel gegen die Roten geht es nun nach Gelsenkirchen, zu den Blauen, die ebenfalls einen Lauf haben. Besonders Huntelaar, der nach Belieben trifft. In Erinnerung an die Fan-Freundschaft zwischen Schalke und dem 1. FCN tut der Club erschreckend wenig, um der Heimmannschaft einen Sieg wenigstens vorübergehend zu erschweren. Es ist wie so oft in diesen Monaten: Ordentlich gespielt, ein wenig zu brav und auf die Mütze bekommen. Sieben Schüsse reichen Schalke für vier Treffer. Der Club fängt an zu trudeln.

1. FCN - Kaiserslautern (1:0)

Glücklicherweise kommt mit Kaiserslautern der schlechteste Sturm der Liga ins Frankenland. In der Pfalz bemüht man sich um Konstanz, doch hat der FCK in der Hinrunde bislang wenig Argumente geliefert, warum man in der ersten Liga spielt. In der Woche vor dem Spiel werden die Wortmeldungen in Nürnberg deutlicher. Feulner verlangt, man solle “eckliger in den Zweikämpfen werden und insgesamt brutaler”. Nun ja. Bader wirbt in einem langen Interview für den “Nürnberger Weg” und das gemeinsam im Verein getragene Konzept. Und dann ist zu lesen, dass Philipp Wollscheid am Ende der Saison zu Leverkusen wechselt. Das dritte Schlüsselspiel der Hinrunde ist bereits ein halbes Schicksalsspiel und nichts für Liebhaber des gepflegten Balls. Chandler trägt sich mit seinem linken Fuß in die Torschützenliste ein, weil es kein anderer Mitspieler schafft. Und dieses Mal bringt die Mannschaft endlich eine Führung nach Hause. Und spielt dem Tabellenplatz angemessen.

Hamburg - 1. FCN (2:0)

In Hamburg rollt derweil Thorsten Fink das Feld von hinten auf. Sah der HSV in der Form der ersten Wochen neben Kaiserslautern und Augsburg wie der dritte Abstiegskandidat aus, so schafft es der reanimierte Fußball-Dino jetzt mit abgezocktem Minimalfußball und einer einzigen schönen Ballstaffette, sich am 1. FCN vorbei ins Mittelfeld der Tabelle zu robben. Was wiederum die fünfte Auswärtsniederlage in Serie bedeutet. Ein Spiel, das nicht nur den Trainer ratlos zurücklässt.

1. FCN - Hoffenheim (0:2)

Die meisten Fans freuen sich auf die Heimspiele ihrer Mannschaft, der Club gibt seinen Anhängern in dieser Saison jedoch nur selten die Gelegenheit dazu. So auch diesmal. Über Hoffenheim macht das Wort der “grauen Maus” die Runde, trotz des weitgehend unbemerkten Umbaus der Mannschaft, trotz des bunten Trainers, der von Pauli kam. Hoffenheim spielt zu robust für den Club und ist unter dem Strich in allen Belangen besser. Zwei rote Karten sorgen für Aufreger, Chandler wird mit Rotsperre fehlen, Dominic Maroh wird die Nase gebrochen. Selten dürfte sich ein Verein so auf die Winterpause gefreut haben wie der 1. FCN.

Leverkusen - 1. FCN (0:3)

Nach den Auswärtsspielen gegen Gladbach, Wolfsburg, Bayern, Schalke und Hamburg mit insgesamt 1:13 Toren aus Clubsicht, geht es im letzten Spiel der Hinrunde nach Leverkusen. Dort sind Trainer und Mannschaft immer noch damit beschäftigt, sich im Liga-Alltag zu finden. Um die Meisterschaft wird man so, anders als in der letzten Saison, sicher nicht mitspielen. Das wirkt alles sehr mühsam, was die Werkself national auf dem Platz bringt, anders als streckenweise in der Champions League. So auch diesmal gegen den Club, für den dieses Auswärtsspiel zu einer ungeahnten Wiederauferstehung wird. Dieter Hecking anschließend: “Damit sind wir wieder am Leben, was uns alle schon ein bisschen abgesprochen haben.” Drei Punkte in der Fremde, ein auch in dieser Höhe verdienter Sieg und obendrauf noch ein gutes Spiel. Sicher, die Dramaturgie spielt dem 1. FCN diesmal in die Karten, doch das hat sich die Mannschaft nach den vielen kleinen Tiefschlägen der Hinrunde mehr als verdient. Das vierte Schlüsselspiel der Hinrunde und eines, an dem man beim Start der Rückrunde wieder anknüpfen kann.