15.02.2012

Von wegen “maat et jot”

Am Samstag kommt der 1. FC Köln nach Nürnberg, zwei Tage, bevor in der Domstadt am Rosenmontag die Lichter ausgeschossen werden. Da wird der Club sicher alles versuchen, damit den Kölnern nicht zum Feiern zumute ist.

Oder die Rheinländer bringen, wie im Hinspiel, ihre eigene Spaßbremse gleich selbst mit. Pedro Tonon Geromel wird als Vorbereitung auf das Spiel beim Club sicher noch einmal einige Szenen aus dem Hinspiel gezeigt bekommen haben.

Overath wirft hin

Prunksitzungen und Mitgliederversammlungen des FC haben zumindest für den unbeteiligten Zuschauer einen ähnlichen Unterhaltungswert, selbst wenn man nicht mit den Vereinsinterna vertraut ist. Im November, kurz nach dem Anpfiff der närrischen Jahreszeit, war es wieder soweit: Der dreiköpfige Vorstand um Wolfgang Overath trat völlig überraschend zurück. Mit Overath, der sieben Jahre im Amt war, geht ein Weltmeister von 1974 und die Kölner Lichtgestalt im Fußball schlechthin. “Maat et jot”, waren seine letzten Worte, macht es gut.

Köln spielt - immer noch - gegen den Abstieg

Das hat sich die Mannschaft seither nicht wirklich zu Herzen genommen. Insgesamt dümpelt der FC, bis auf einen Ausreißer nach unten und nach oben, seit 16 Spieltagen auf Platz 10, 11 oder 12 in der Tabelle. Was als Kurve konstant erscheint, hinterlässt bei Betrachtung der Spiele einen anderen Eindruck. Die letzten spektakulären Begegnungen liegen lang zurück (Hinrunde, HSV und Bayer Leverkusen), mittlerweile dürfen selbst mittelprächtige Ensembles wie Mainz oder Hamburg wieder Punkte aus der Domstadt mitnehmen.

Was erlauben Geromel?

Am letzten Spieltag war beim 0:1 gegen den HSV in der 88. Minute dabei wieder ein Streich von Geromel zu besichtigen. Statt den aus spitzem Winkel getretenen Schuss von Paolo Guerrero auf der Linie einfach wegzuschlagen, wählte Geromel eine ergotherapeutisch wertvolle Mischform aus den Varianten a) wegschlagen, b) wegköpfen und c) irgendetwas anderes tun. Im Hinspiel gegen den Club waren es seine beiden Aktionen, die innerhalb von fünf Minuten jeweils mit einem Elfmeter geahndet wurden, die den Club schließlich auf die Siegerstraße brachten. Aus Nürnberger Sicht sollte Geromel also auf jeden Fall in der Startelf gesetzt sein.

Das Kölner Herz

Ein weiterer Entertainer in Kölner Reihen fehlte die letzten beiden Spiele und wird wohl am Samstag wieder mit von der Partie sein: Prinz Poldi. Der spielte in der Hinrunde so gut und vor allem so konstant wie wahrscheinlich noch nie in seiner Laufbahn. Die von Dortmunds Jürgen Klopp im Vorfeld des anschwellenden Wecheltheaters vorgebrachte Kritik (“zu unkonstant, ruft sein Können nicht ab, zu teuer”) mag für vergangene Spielzeiten stimmem, in dieser ist Podolski für Köln jedoch “eine Bank” und ungefähr an der Hälfte aller Tore beteiligt.

Hab ich Poldi, hab ich Meldung

Ein Formhoch, das zusätzlich die Gerüchteküche in der Winterpause befeuerte. Podolski könne sich gut vorstellen, im Ausland zu spielen, wozu ihm auch der Bundestrainer öffentlich riet. Außerdem kann Köln nur noch nach Ende dieser Saison eine nennenswerte Ablöse erzielen, denn Podolskis Vertrag läuft 2013 aus. Höhepunkt war der fiktive Transfer zu Schalke 04, der medial eingehend erörtert und schließlich doch nicht getätigt wurde. Dieser Tage legte Podolski mit einem unautorisierten Interview nach. Über die notwendig gewordene Krisenbewältigung im Verein heißt es heute auf dessen Website: “Dabei konnten alle relevanten Themen angesprochen und abschließend geklärt werden. Im Ergebnis hat man sich darauf verständigt, dass Lukas Podolski ein gemeinnütziges Projekt in Köln unterstützen wird.” Zwei Sätze, aus denen man den Klartext nur allzu deutlich herausfiltern kann: Jeder bleibt bei seiner Meinung, Podolski darf mit der Strafe versuchen, sein Gesicht zu wahren.

Und der Club?

Der Club rutscht in dieser Saison von Platz 7 auf 16, von 12 auf 14 und schrammt immer öfter am Relegationsplatz vorbei. Hecking und Torwart Schäfer nahmen nach dem letzten - schwachen - Spiel gegen Augsburg kein Blatt vor den Mund und prompt legte einer der Spieler unter der Woche lautstark nach: “Wir müssen Köln einfach schlagen. Das ist ein Knackpunkt-Spiel für uns”, so Timothy Chandler. Ja, stimmt, könnte das bitte mal die gesamte Mannschaft verinnerlichen? Am besten zwei Halbzeiten hintereinander, in einem ganzen Spiel? Chandler wird gegen Köln anscheinend erneut im Mittelfeld spielen, möglicherweise reicht es bei Hanno Balitzsch für den ersten richtigen Einsatz. Köln und Nürnberg - wenn zwei angeschlagene Boxer aufeinander treffen, geht es für beide um alles. Da machen Kleinigkeiten den Unterschied. Zum Beispiel Ecken, die von Hlousek getreten werden.