02.02.2012

Wer wem einheizt

Nix war's mit dem Befreiungsschlag. Gerade mal eine Halbzeit, die zweite, stand der Club in Hannover auf dem Platz. Und jetzt kommt Dortmund.

in der Auswärtstabelle steht der BVB oben, an erster Stelle. Genauso wie in der Tabelle der ersten Halbzeit. Wer am letzten Spieltag gesehen hat, wie der Club die ersten 45 Minuten verschlief und wie im Gegensatz dazu Dortmund in den ersten 15 Minuten loslegte, dem muss Angst und Bange um die Nürnberger werden

Ungemütlicher Spieltag

Das Stadion wird am Spieltag aller Voraussicht nach einer großen Freiluftkühltruhe gleichen, wenn nämlich die sibirische Kälte (Tief “Cooper”) so richtig in Deutschland angekommen ist. Und ungemütlich könnte es auch für den 1. FCN werden, denn Meister Dortmund ist wieder in der Spur und seit 13 Spielen ungeschlagen. Für Hecking ist Dortmund “derzeit das Maß aller Dinge.” Und in seinen Augen der kommende Meister.

Marschrichtung “defensiv”

Mitspielen zu wollen, kann am Freitag nicht der Matchplan der Nürnberger sein, taktische Variabilität ebenfalls nicht. Wer sich auf das Spiel der Dortmunder einlässt, läuft Gefahr, die Stärken dieser Mannschaft eher noch zu fördern. Und da der 1. FCN in dieser Saison den Weg nach vorn noch nicht so recht gefunden hat, bietet sich eine defensive Grundordnung an. Kompaktheit, Konzentration und Einsatz fordert Hecking von seinem Team. Der Club ist gegen eine der Mannschaften von der Tabellenspitze wieder einmal Außenseiter, keine unbekannte Rolle.

“Die Mannschaft gibt immer alles”

Hecking findet, nach der einstimmigen Kritik am Auftreten der Mannschaft in Hannover und der ersten Halbzeit, für seine Spieler moderate Worte. “Diese Mannschaft gibt immer alles”, der Gegner habe seine Sache einfach gut gemacht. Das ehrt den Trainer, ist jedoch nur die halbe Wahrheit. In den entscheidenden Momenten kamen die Spieler eben jenen entscheidenden Schritt zu spät, eine der Konstanten in dieser Saison. Und was die viel zitierte “Körpersprache” angeht, wirkt die junge Mannschaft immer noch gelegentlich wie eine gut erzogene Jugend-Elf, die im Zweifelsfall dem älteren Gegner den Vortritt lässt.

Grund-Unordnung?

Zudem gab es Stimmen, die die taktische Ausrichtung und die Besetzung der Positionen in der Startelf nicht nachvollziehen konnten. Hegler und Simons hätten erst in der zweiten Hälfte nach der Umstellung harmoniert, die Qualitäten des Personals kämen im von Hecking getesteten 4-4-2 unzureichend zur Geltung. Tatsache ist, dass der Club nach Kaiserslautern und Augsburg die wenigsten Tore schießt. Die Spiele der eigenen Mannschaft sieht man immer durch eine andere Brille als die der Konkurrenz. Hier muss man sich jedoch klarmachen, dass der Club im Grunde offensiv genauso schwach spielt wie man das beim FCK und FCA jede Woche aufs Neue sieht. Nur dass das spielerische Gesamtpaket ansprechender ist. Anders gesagt: Offensive findet nicht statt. Weder gibt es einen “Knipser” für den Strafraum, noch einen souveränen Flankengeber oder Ballverteiler für den entscheidenden Pass. Was bei Dortmund in dieser Saison eher noch einen Tick besser funktioniert, nämlich das schnelle Umschaltspiel mit überraschenden Spielauflösungen, gerät beim Club grundsätzlich zu langsam und zu stereotyp.

Das Personal

Personell hat Hecking ähnliche Probleme wie vor der Winterpause. Chandler wird wieder mit an Bord sein, Klose, Balitsch und Pinola fehlen weiterhin. Zudem hat sich Per Nilsson beim Testspiel gegen den KSC erneut verletzt und wird mindestens vier Wochen ausfallen. Dass eine ganze Reihe von Spielern noch nicht wirklich zu ihrer Form gefunden haben, sei außen vor. Beim BVB ist Barios an Bord geblieben, der gegen den Club gerne mal einnetzt (3 Spiele, 5 Tore). Mario Götze ist aufgrund seiner “Robben-Verletzung” (Schambeinentzündung) von Klopp in den Urlaub geschickt worden, eine Spielpause von mindestens acht Wochen steht an. Wie dieser Ausfall sich auf die Mannschaft auswirkt, war in den letzten beiden Spielen zu sehen, nämlich gar nicht. Klopp kann aus dem Vollen schöpfen, nicht nur personell, sondern auch, was die Form seiner Spieler angeht. Keine Frage, wer am Freitag wem einheizen wird. Nicht nur die Zuschauer müssen sich warm anziehen.